Zu dem Film „Mr. Nobody“ aus dem Jahr 2009 möchte ich einige Worte verlieren:
Der Film streift viele interessante Thematiken wie die Viele-Welten-Theorie, Determinismus/Indeterminismus.
Der Film beginnt mit dem alten Nemo Nobody, der sich im Alter von 119 Jahren in einer futuristisch anmutenden Welt wieder findet, im Jahr 2093 nämlich. Er hat Probleme, sich an sich selbst und sein Leben zu erinnern und bringt hierbei verschiedene Möglichkeiten durcheinander, wie sein Leben hätte verlaufen können, behauptet dabei aber, dass alle diese Möglichkeiten tatsächlich passiert seien: Die ganze Geschichte wird also von vornherein in einen unsinnigen Ansatz eingebaut, denn selbst ein Vertreter der Viele-Welten-Theorie könnte nicht behaupten, dass man sich später an alle möglichen Varianten erinnern könnte.

Regisseur Jaco Van Dormael, Diane Kruger, Jared Leto, Linh Dan Pham und Sarah Polley zum Film „Mr. Nobody“ beim 66. Venice International Film Festival; Urheber: Nicolas Genin, Lizenz und Informationen im Artikelfuß
Überwiegend geht es dann aber um das Leben des Nemo Nobody von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter und beleuchtet hierbei insbesondere die Ereignisse, die sein Leben geprägt haben. Der Film befasst sich mit der Frage, ob das Leben nicht ganz anders verlaufen wäre, wenn sich entscheidende Abläufe anders ereignet hätten.
Insofern regt der Film an, über die eigenen Lebensentscheidungen nachzudenken und sich der weitreichenden Folgen des eigenen Handelns bewusst zu werden.
Trotz des logischen Unsinns des Gesamthandlung gelingt es dem Film zum Schluss, doch noch die logische Kurve zu bekommen: All die verschiedenen Varianten geschehen lediglich in der Vorstellung des Kindes, dass eine besondere Entscheidung fällen muss, ob es nämlich bei der Trennung der Eltern beim Vater oder der Mutter leben will. Wenn dieses Kind die richtige Entscheidung treffen wollen würde, dann müsste es auch die Folgen abschätzen können, die diese Entscheidung hat: Der Film tut also so, als ob das Kind sein Leben bis zum Ende denken könnte und alle Folgen absehen könnte; im Ergebnis kommt dann heraus, dass es dem Kind nicht einmal etwas genützt hätte, wenn es die Zukunft voraussehen könnte: Alle Varianten enden bei einem verwirrten alten Mann…
Die Darstellung dieser Grundidee des Films geht allerdings unter in den wirren Sprüngen des Films zwischen den Handlungssträngen: Fälschlicherweise sieht der Film zunächst aus wie eine Darstellung der Viele-Welten-Theorie, was er nicht ist.
Leider verschwimmt auch, welcher der Handlungsstränge nun überhaupt real ist und ob selbst der alte Mann real existiert oder nur in der Vorstellung des Kindes: Die philosophische Frage, was denn real ist, wird auch aufgeworfen, jedoch verhallen diese Hintergrundfragen im Film und eine inhaltliche Behandlung der Thematik misslingt. Wer Antworten oder eine logisch korrekte Darstellung erwartet, wird enttäuscht werden.
Mein Urteil: Ein Film, der sich mit dem philosophischen Hintergrund überhebt und daran scheitert, der aber dennoch zum Nachdenken anregt.
OK: Nach dem Filmtrailer weiß man eigentlich schon, dass der Film etwas verworren ist:
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