Am Wochenende habe ich mir den Film „Source Code“ gegönnt. Zunächst möchte ich einräumen, dass mich der Film gut unterhalten hat: Er ist spannend, hat gute Schauspieler, gute Regie, gut Kameraführung, gute Filmmusik – alles, was man sich wünschen kann – oder?
In dem Film wird ein US-Soldat quasi in den Körper einer anderen Person hineingebeamt, und zwar in einen fahrenden Zug, der nach 8 min. aufgrund eines Bombenanschlages in die Luft iegen wird: Und das immer wieder, weil er herausnden soll, wer die Bombe plaziert hat. Interessant zu sehen ist hierbei, dass die Logik von Zeitreisen ausnahmsweise einmal recht gut beachtet wird: In der Jetzt-Zeit ist der Zug bereits explodiert, so dass die Explosion durch eine Zeitreise nicht verhindert werden kann, weil es ja bereits passiert ist.
Was aber hat eine Zeitreise in einem Action-Thriller zu tun? Wenn ich in „Harry Potter“ gehe, erwarte ich geradezu, dass auf Besen geogen wird. In einem Action-Thriller hingegen ist das inakzeptabel, wenn jemand aus einer Metallkapsel plötzlich in einen Zug in den Körper eines anderen iegt, so als hätte man am Computer den Reset-Schalter gedrückt.
Nun könnte man sich natürlich vorstellen, dass man ein Gehirn ebenso booten könnte, wie einen Computer und dass man auf diese Weise das Bewusstsein in eine bestimmte Szenerie bringen kann, ohne dass dies real wäre: Das wäre dann allerdings Kategorie Science-Fiction. Soetwas in der Art liegt der Idee des Films wohl zugrunde, dass man also die Wahrnehmung der letzten 8 min. vom Gehirn eines Toten quasi herunterladen könnte und dann einem anderen Gehirn wie ein Computerspiel vorspielen könnte – eigentlich eine nette Idee.
Genau diese Idee wird im Film aber überhaupt nicht näher erläutert, und zwar deshalb, weil sie hanebüchen blödsinnig umgesetzt wird: Wenn man nämlich die Erinnerung eines anderen aufspielt, wie sollte man dann in dieser Erinnerung mit der Außenwelt interagieren und diese verändern? Quasi „versehentlich“ wird mit diesem Hirn-booten im Film dann eine reale Zeitreise angetreten: Und eben das ist eine Zumutung, dem Zuschauer eine Handlung zu präsentieren, zu der selbst der Drehbuchautor hätte sagen müssen, dass er eben auch keine Ahnung hat, wie das noch logisch zusammen passen soll. Da macht es auch der Hinweis nicht mehr wett, dies habe irgendwie mit „Quantenmechanik“ zu tun, in der Hoffnung, dass der Zuschauer dafür ohnehin zu blöd sei.
Die Vermengung von Zeitreisengeschichte und Hirnbooten wird einfach nur krude vermengt: Und zwar völlig unnötig! Man hätte aus der Handlung einfach zwei Filme machen sollen. So wirkt die Handlung wie von einem Drogenabhängigen geschrieben. Zu allem Überuss artet der Film dann auch noch in sinnlos-pathetischen US-amerikanischen Nationalismus aus.
Schade auch, dass der Film es verpasst, einen Einstieg in das Thema Determinismus zu bieten.
